Update: Vollstreik in Dresden

Trotzdem im Arbeitskampf Basisgewerkschaft kämpft gegen Kündigungen und fordert Haustarifvertrag

Stand 08.02.2014

Die BNG-FAU hat der Chefin der bestreikten Szenekneipe „Trotzdem“ am 05.02.2014 ein weiteres Gesprächsangebot gemacht. Bis jetzt zeigt sich Johanna Kalex nicht gesprächsbereit.

Kurz Nach Beginn des Streiks hatte sie die Kündigung dreier Gewerkschaftsmitglieder der Presse und Kund*innen gegenüber mit Diebstählen im Lokal begründet. Die Belegschaft protestierte gegen die Behauptungen, da nur die gewerkschaftlich organisierte Hälfte der Festangestellten gekündigt worden war. Nun berichtigte die Chefin auf Drängen der BNG-FAU, die betreffenden Räumlichkeiten waren „zugänglich für Kellner und zwei Familienmitglieder der Wirtin“.

Wolf Meyer (25) von der BNG-Betriebsgruppe: „Der Kündigungsgrund ist nicht nachvollziehbar. Obwohl Frau Kalex selbst bestätigt, dass es keinen eingegrenzten Tatverdacht gibt, werden nur einige aus dem Betrieb entfernt. Wir verstehen auch nicht, warum die Diebstähle vorher nie im Betrieb angesprochen, der Zugang zum Lager eingeschränkt oder die betreffenden Räume überwacht wurden. Eine Kündigung sollte immer die letzte Lösung sein.“

„Trotz des harten Kurses der Chefin können wir bis jetzt zu Frieden sein.“, sagt Jeanette Schmidt (26), Organizerin der BNG-FAU. „Unsere Motivation ist ungebrochen und wir erhalten von den meisten Kund_innen des Lokals, aber auch bundesweit viel Unterstützung. Wir bereiten uns nun auf die zweite Streikwoche vor.“

Gemäß des syndikalistischen Wahlspruchs „Ein Angriff auf eineN von uns ist ein Angriff auf alle!“ plant die BNG-FAU einen Diskussions- und Vortragsnachmittag für Gastronomie-Arbeiter_innen im Stadtteilhaus Neustadt, sowie ein Konzert mit dem „Geigerzähler“ in der Nähe des Streikpostens. Auch ein öffentlicher Arbeitsrechtsvortrag für Beschäftigte der Branche ist zeitnah geplant.

Seit dem 01.02.2014 befindet sich die Basisgewerkschaft Nahrung und Gastronomie (BNG) in Dresden in einem Vollstreik. Hauptziel des Streiks ist die Rücknahme der Kündigungen der drei im Syndikat organisierten Kellner*innen und der Abschluß eines Haustarifvertrages. Sollte sich die in der Dresdener Neustadt als „Anarchistin“ bekannte Kneipenchefin nicht dazu in der Lage sehen, bietet die BNG als Alternative die Umwandlung des Betriebes in einen Kollektivbetrieb an.

Mitlerweile begründet die Chefin die Entlassung der drei mit Diebstählen aus dem Lager der Kneipe, die über Monate andauern sollten und angeblich zur ökonomischen Gefahr geworden sind.

Die Chefin im Wortlaut: „Da wir leider den oder die Täter nicht feststellen konnten, haben wir uns gezwungen gesehen, die gesammt Crew zu entlassen.“

Das ist ganz offensichtlich eine Schutzbehauptung, da neben den drei entlassenen Gewerkschaftsmitgliedern noch mindestens zwei weitere Kellner*innen im Betrieb beschäftigt sind, die ebenso Zugang zum Lager hatten/haben wie eben diese drei. Es geht also ganz offensichtlich um den Versuch ihr „union busting“ (gewerkschaftsfeindliches Verhalten) zu verschleiern. Das dabei zum Mittel der Sippenhaft gegriffen wird ist in diesem Kontext nur ein weiterer Fakt der zu skandalisieren ist.

Es bleibt zu hoffen das die Chefin möglichst bald die Kündigungen zurück nimmt und einen Haustarifvertrag mit der BNG aushandelt. Noch schöner wäre es natürlich wenn sie sich auf die Idee der Kollektivierung einlassen würde. Wie dies gehen kann, könnte sie u.a. vielleicht auf der Seite „ohne Chef“ erfahren, bzw von einem der zahlreichen Kollektivbetriebe die dort gelistet sind.

Hier nun die Pressemitteilung zum ersten Streiktag, sowie einig Bilder und eine offizielle Stellungnahme der streikenden Kellner*innen zur Erklärung der Chefin.

Alle Neuigkeiten zum Arbeitskampf findet ihr auf dem Blog der Streikenden.

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